In den 1970er Jahren galt das Arbeiten mit Textilien schon als feministisches Statement. Silke Radenhausen nahm sich nun das textile Material vor, auf dem zu ihren Studienzeiten minimalistisch, monochrom und in großen Dimensionen gemalt wurde: die Maler-Leinwand. In ihren Arbeiten ist sie nicht Bildträger, nicht neutrale Fläche, sondern sie verselbstständigt sich, stülpt sich aus, hängt und bildet zufällige Faltenwürfe, die man drapieren kann. Die Aufspannung auf Keilrahmen macht deutlich, dass die Objekte immer noch im Kontext der Kunstgattung „Gemälde“ betrachtet werden sollen.
Radenhausen schneidet, färbt (sie malt nicht!) und statt zu zeichnen näht sie Formen zusammen. Sie paraphrasiert damit zugleich die glatte Oberfläche eines Bildes – in diesem Fall eine Tafel „Nineveh and Persia“ aus dem berühmten Musterbuch „Grammar of Ornament“ von Owen Jones, erschienen 1856. Dort werden die Ornamente kunstgewerblicher Gegenstände aus den unterschiedlichen Weltregionen und Epochen von ihren materiellen und ideellen Ursprüngen gelöst und in Form rein ästhetischer, abstrakter Flächenkunst abgebildet.
- Ort & Datierung
- 1997
- Material & Technik
- Leinwand, maschinengewaschen, ungefärbt, maschinengefärbt
- Abmessungen
- 400 × 300 cm
- Museum
- Mercedes-Benz Art Collection
- Inventarnummer
- X26.219