Die in Eugen Spiros Gemälde "Dame mit Hund" (1905) dargestellte Frau ist keine Unbekannte. Tilla Durieux, 1880 in Wien geboren, war eine gefeierte Schauspielerin und politische Aktivistin. Im Laufe ihrer Karriere wurde sie von berühmten Maler:innen wie Max Slevogt, Lovis Corinth, Oskar Kokoschka und vielen anderen porträtiert. 1905, zur Entstehungszeit des Gemäldes, war sie in erster Ehe mit dem Maler Eugen Spiro verheiratet. Im selben Jahr lernte sie jedoch den Berliner Galeristen Paul Cassirer kennen, mit dem sie 1910 die Ehe schloss.
Spiro, 1874 in Breslau geboren, studierte, nach kurzer Lehrzeit in einer Breslauer Firma für Damenkonfektion, von 1892 bis 1894 Malerei an der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau und wechselte dann an die Akademie der Bildenden Künste München. Dort wurde er Schüler von Franz von Stuck, der ihn 1897 zu seinem Meisterschüler erklärte und ihm ein Atelier in der Villa Stuck übergab. 1900 wurde er Mitglied der Münchner Secession. 1904 siedelte er nach Berlin um, wo er im gleichen Jahr Durieux kennenlernte, die er mehrfach porträtierte. Als Vorstandsmitglied der Berliner Secession erhielt Spiro gesellschaftliche Anerkennung, die dazu führte, dass er 1924 in die Ankaufskommission der Berliner Nationalgalerie berufen wurde.
Spiros Malerei zeigt Einflüsse des Jugendstils, des Symbolismus, des französischen Impressionismus wie auch der Porträtkunst der Berliner Sezessionisten. Vor dem Ersten Weltkrieg pflegte er Kontakte zum deutschen Malerkreis „Café du Dôme“ in Paris und lernte Hans Purrmann kennen. Als Jude in Deutschland war er schließlich zur Emigration gezwungen und fand Zuflucht in New York. Große Teile seines Werkes wie auch seiner Kunstsammlung gingen verloren. Albert Einstein und Thomas Mann standen ihm in seiner neuen Heimat bei. Als Spiro 1972 mit 98 Jahren dort starb, war sein Beitrag zum deutschen Impressionismus so gut wie vergessen.