Die Wuppertaler Textilkünstlerin Suse Bernuth wollte die Spitzenkunst von den verspielten Niedlichkeiten vergangener Jahrzehnte befreien. Durch Klarheit, Reduktion und eine sparsame Verwendung sollte ihre Wirkung gesteigert und ihr Wert erhöht werden.
Eine Weggefährtin beschrieb ihre Arbeit einst wie folgt: „Sie mochte keine Unruhe um sich. Sie selbst strahlte Ruhe aus, war bedächtig und überlegt; aber auch aus ihrem Innersten heraus wiederum unruhig … An und in ihren hinterlassenen Werken sieht man es: Ruhe – Statik – Ausgeglichenheit – Harmonie in Form und Farbe. Aber im selben Stück, im selben Bild zugleich Unruhe – Dynamik – Keim zum Aufbruch – zum Neuen – zur anderen Sprache mit Form und Farbe.“
Dabei waren ihre Entwürfe so innovativ, dass ihre Umsetzung selbst erfahrenen Klöpplerinnen Schwierigkeiten bereitete. Suse Bernuth selbst war zwar gelernte Schneiderin und studierte im Textil- und Modebereich in Magdeburg sowie Malerei in Berlin, die Kunst des Klöppelns selbst beherrschte sie jedoch nicht. Als sie dann vom Bayerischen Kultusministerium beauftragt wurde, die künstlerische Leitung der drei Oberpfälzer Klöppelschulen zu übernehmen, stand sie vor der großen Herausforderung: Die traditionellen Klöpplerinnen mussten von ihren neuen Mustern und der Möglichkeit ihre Zeichnungen auszuführen überzeugt werden.
Im Jahre 1958 zog Suse Bernuth zusammen mit ihrem Mann Fritz Bernuth nach Wuppertal, wo sie sich vermehrt den Bildteppichen zuwandte. Denn in Wuppertal, der Wiege der Frühindustrialisierung mit einem Schwerpunkt auf der Textilproduktion, wurde Spitze längst schon maschinell produziert. Eine Reihe von Bildteppichen wurden in diesem Jahr, unterstützt durch das Restaurierungsprogramm des Landes NRW, konservatorisch aufgearbeitet.
Weitere Medien
- Ort & Datierung
- 1950er Jahre
- Material & Technik
- Mittel- und hellblaues Leinengarn
- Abmessungen
- 27 × 43 cm
- Museum
- Sammlung Anneliese Wienands
- Inventarnummer
- X26.218