Anna Andreeva gehört zu den erfolgreichsten Textilkünstlerinnen der Sowjetunion. Nach einem Studium des Textildesigns arbeitete Andreeva ab 1941 als führende Designerin an der nach Rosa Luxemburg benannten, renommierten staatlichen Textilfabrik Red Rose Silk Factory.
Obwohl zu der Zeit allein der stark figurative Sozialistische Realismus akzeptiert war, schuf sie innovative Stoffentwürfe, die das repressive politische System geschickt unterliefen. Ihre geometrischen Designs wurden von vielen meist weiblichen Berühmtheiten des öffentlichen Lebens in der Sowjetunion geliebt. So trägt Raisa Gorbatschow, die Ehefrau des 2022 verstorbenen letzten Staatspräsidenten der Sowjetunion, die frischen Streifenmuster auf einem Cover-Foto des US-amerikanischen „Time“-Magazins, um sich als weltoffene, charmante Person zu präsentieren. Dass Anna Andreeva in dieser Situation überhaupt als künstlerisch-revolutionäre Designerin tätig sein konnte, war ihrer beeindruckenden Originalität zu verdanken.
Inspiriert von einem modernistischen, längst vom Staat abgeschafften Konstruktivismus, entwarf Andreeva Werke mit geometrischen Kubenmustern. Auf ihren innovativen Stoffen entdeckt man Zahlenkombinationen und Ornamente, die algorithmische Strukturen zu zitieren scheinen. So erfand sie bereits 1978 ein Design, das dem heute etablierten QR-Code ähnelt. Angeblich gelang es einem Besucher in der Moskauer Trejakow Galerie nicht, ein Bild von einem ihrer Werke mit dem Smartphone zu machen, da das Handy die Verwendung des QR-Scanners forderte.
Weitere Medien
- Ort & Datierung
- 1978
- Material & Technik
- Tinte und Gouache auf perforiertem Papier
- Museum
- Courtesy the Estate of Anna Andreeva and Layr, Vienna
- Inventarnummer
- X26.215