1891 in Soest geboren steht für Wilhelm Morgner schon sehr früh fest, dass er Künstler werden möchte. Die Ausbildung ist kurz: 1908 besucht er die Künstlerkolonie in Worpswede, wenig später dann für drei Monate die private Malschule von Georg Tappert in Berlin.
Nach naturalistischen Anfängen orientiert er sich am expressionistischen Stil Vincent van Goghs. Bevorzugtes Thema ist die bäuerliche Arbeitswelt. Bereits um 1911 malt er großformatige Ölbilder, in denen er ländliche Szenen in stark reduzierten Formen darstellt: wenig Raumtiefe, keine Schattierungen, nur harte Konturlinien umfassen einfarbige Flächen.
Zur selben Zeit knüpft Morgner enge Verbindungen zu Künstler:innen der „Brücke“ und des „Blauen Reiters“. Franz Marc beispielsweise ist zehn, August Macke vier Jahre älter als er. Stilistisch bleibt Morgner unabhängig. Ornamentale, rhythmische Pinselschwünge bestimmen in dieser Zeit seine zunehmend abstrakt werdenden Kompositionen, die – so die Idee vieler abstrakt arbeitender Künstler:innen – jeweils in der Natur wirkende Formprozesse sichtbar machen.
1912, mit nur 21 Jahren, malt er die beiden hier gezeigten Gemälde, entliehen aus dem Museum Wilhelm Morgner in Soest. Aus demselben Jahr stammen zwei Porträts, die sich seit 1958 in der Sammlung des Von der Heydt-Museums befinden. Zwei weitere Gemälde, „Mann an der Tür“ von 1909, und „Weißbärtiger Jude“ von 1912, waren im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ 1938 von den Nationalsozialisten aus der Sammlung des Barmer Kunstvereins beschlagnahmt worden.
Wilhelm Morgner fiel 1917 bei Kampfhandlungen in Westflandern. Trotz seiner tragischerweise nur kurzen Lebens- und Schaffenszeit umfasst sein Werk rund 250 Gemälde, 2000 Zeichnungen und Aquarelle und circa 70 Druckgrafiken.
- Ort & Datierung
- 1912
- Material & Technik
- Öl auf Pappe
- Abmessungen
- 84 × 121 cm
- Museum
- Museum Wilhelm Morgner, Soest
- Inventarnummer
- X26.214