Im Zentrum des Schaffens von Oskar Schlemmer steht die menschliche Figur. Vom Naturvorbild abstrahierend konstruierte er sie – wie in „Relief H“ zu sehen – aus einem Ensemble von geometrischen Formen. Diese übergeordnete Form bezeichnete er als Ornament.
Im legendären „Lacktechnikum“ des Wuppertaler Lackfabrikanten Kurt Herberts, das Schlemmer 1940/41 leitete, experimentierte er mit den unterschiedlichsten Materialien und Techniken, um Wandflächen und Alltagsgegenstände zu verzieren. Sein Ziel war es, aus dem was die Technik vorgab „… dann bewußte Formelemente ornamental-abstrakter Art abzuleiten“. Immer hatte er dabei aber die menschliche Figur im Blick.
Parallel zu den Experimenten mit Lack fertigte Schlemmer zahlreiche Studien, Skizzen und Zeichnungen an, die seine intensive Auseinandersetzung mit Abstraktion und Ornament zeigen. Ein Konvolut von 300 Blättern zu Wandgestaltungen befinden sich heute im Von der Heydt-Museum.
Die Krönung seiner Lackexperimente sollte das „Lackkabinett“ werden. Gedacht war es als Musterraum, der die Möglichkeiten moderner Lackmalerei zusammenfassend präsentierte. Wände und Decken sollten mit monochromen, gemusterten und ornamentalen, aber auch figuralen Tafeln dreireihig und in unterschiedlicher Größe ausgestattet werden. Der Boden sollte aus schwarzen Kacheln bestehen. „Alles soll Maß und Proportion sein und von jener Feinheit, die einen zwingt, sich darin so gut zu benehmen, wie man es sich von einer fernöstlichen Gesellschaft vorstellt“, beschrieb Schlemmer seine Idee. Zwei farbige Entwürfe haben sich erhalten, die zeigen, wie sich der Eindruck durch den Austausch von hellgrauen Platten gegen tiefschwarze verändert.
- Ort & Datierung
- vermutl. 1941/42
- Material & Technik
- Gouache, Karton
- Abmessungen
- 19,4 x 28,9 cm
- Museum
- Kunst- und Museumsverein
- Inventarnummer
- KMV 1964-65/102