Frauen spielten in der Wiener Werkstätte (WW) eine zentrale Rolle, vereinzelt auch in leitender Position. Viele Designerinnen wurden jedoch lange übersehen. Das liegt zum einen am misogynen Klima in Wien um 1900, wie abwertende Äußerungen von Künstlern wie Adolf Loos und Julius Klinger belegen: Loos sprach von „gelangweilten höheren Töchtern“, Klinger vom „Wiener Weiberkunstgewerbe“ und der Architekt Oswald Haerdtl nannte die Werkstätte eine „unerhörte Pupperlwirtschaft“.
In diesem Raum der Ausstellung sind Arbeiten von Hermine Weiß, Lotte Frömel-Fochler und My (Marianne) Ullmann zu sehen. Sie stehen für die Vielfalt der Künstlerinnen, die am Wiener Kunstgewerbe beteiligt waren und deren Namen heute kaum noch bekannt sind.
Die Kunstgeschichte trennte lange zwischen freier Kunst – dazu gehörten Malerei, Skulptur und Architektur – und angewandter Kunst, die als „nur“ dekorativ und damit als zweitrangig galt. Genau dieser Bereich des sogenannten Kunstgewerbes wurde Frauen bevorzugt zugewiesen: Textil, Keramik, Mode, Buchkunst und Grafik galten als „weibliche“ Tätigkeiten, die sich mit Geschick, Geschmack und Häuslichkeit verbinden ließen. Die Hierarchie der Gattungen war so zugleich eine Hierarchie der Geschlechter. Wer im Kunstgewerbe arbeitete, arbeitete oft nicht als „Künstlerin“, sondern als „Kunsthandwerkerin“, mit Folgen für Anerkennung, Bezahlung und Rezeption.
Diese Zuweisung war institutionell abgesichert. Die Akademie der bildenden Künste in Wien nahm Frauen erst ab 1920 auf, während ihnen die Kunstgewerbeschule früher offenstand. Der Zugang zur angewandten Kunst war damit nicht nur Ausdruck einer Rollenzuschreibung, sondern oft der einzige Weg zu einer künstlerischen Ausbildung.