Heute dienen Ornamente nicht zuletzt dazu, kulturelle Identifikation zu schaffen. Damit verbunden ist vielfach die Hoffnung, mit Ornamenten einerseits einen bestimmten Kulturkreis kenntlich zu machen und andererseits Brücken zu anderen Zeiten und Kulturen schlagen zu können. Mariella Mosler fertigt in feinster Handarbeit Ornamente aus Echthaar, die auf tradierten Andachtsschmuck anspielen, zugleich als Symbole unserer Zeit gelesen werden können. Nevin Aladağ, eine deutsch-türkische Künstlerin, und Azra Akšamija, die in Sarajewo geboren wurde und am MIT in Boston lehrt, setzen Ornamente und Muster ein, um zu zeigen, wie vielschichtig kulturelle Identität sein kann.
Samuel Fosso, geboren in Kamerun, zeigt sich in der Rolle eines fiktiven afrikanischen Anführers. Die bunten Stoffe, typische „Dutch Wax Prints“, sind Ausweis afrikanischer Identität, greifen zugleich aber europäische Klischees auf. Und sie verweisen auf die Kolonialgeschichte, von der Erfindung der Batik-Technik in Indonesien über Design und Produktion in den Niederlanden bis hin zum westafrikanischen Stoffmarkt. Mário Macilau verwendet Muster in einer Weise, wie sie in der westafrikanischen Studiofotografie typisch ist. Die bunt bedruckten Stoffstücke (Capulana), als Wickelkleid oder Tragetuch genutzt, sind elementar für die mosambikanische Kultur.