Lange wurden Künstlerinnen an Kunstschulen ausschließlich für das Kunstgewerbe, insbesondere für die textilen Künste, zugelassen. Und im Textil hatte das Ornament seinen festen Platz. Sophie Taeuber-Arp leitete viele Jahre die Textilklasse an der Kunstgewerbeschule Zürich. Die hier gezeigten Arbeiten verdeutlichen, wie sie aus einer Materialstruktur heraus gegenständliche Motive schuf.
Miriam Schapiro und Silke Radenhausen fassten die Zuschreibung „Textil – Ornament – Kunst von Frauen“ positiv auf. Sie wollten eine weibliche Kunst, die der ihrer männlichen Kollegen gleichkommt, zugleich aber in Material, Technik und Farbe mit dem Gewohnten bricht. Die merkwürdige Form „Dormer“ (Dachfenster) von Miriam Schapiro ist eine Antwort auf die riesigen Formate der monochromen Malerei ihrer Zeit. Silke Radenhausen schnitt und nähte, statt auf der Leinwand zu malen. Das Ergebnis ist ein dreidimensionales Objekt, angelehnt an „The Grammar of Ornaments“ (1856) von Owen Jones, dem berühmtesten Ornamentbuch des 19. Jahrhunderts.
Rosemarie Trockel hinterfragt mit ihren Arbeiten Rollenbilder, und sie nutzt die „harmlosen“ textilen Künste als Medium politischer Botschaften – ähnlich wie Yelena Popova, Rufina Bazlova und Anna Andreeva. Andreeva, Textildesignerin an der Red Rose Silk Factory in Moskau, umging das in der Sowjetunion geltende Abstraktionsverbot, indem sie ihren Design-Entwürfen Titel gab, die auf den Fortschritt verweisen: Elektrizität, Radiowellen.