Sigmar Polke (1941 in Oels, Schlesien – 2010 in Köln) zählt zu den einflussreichsten Künstler:innen der deutschen Nachkriegszeit. 1963 verkündete er in Düsseldorf gemeinsam mit Gerhard Richter und Konrad Lueg den „Kapitalistischen Realismus“, eine ironische Antwort auf Konsumkultur und Bilderflut. Bekannt wurde er für seine Rasterbilder und den freien Umgang mit unterschiedlichen Materialien.
In diesem Werk von 2007 fügt er unterschiedliche Stoffe zu einer Collage zusammen, die an Patchwork oder Textildesign erinnert. Mit breitem Pinselstrich legt er eine weiße organische Malerei auf die Stoffoberfläche, welche die unterliegenden Dekore teilweise überdeckt oder durchscheinen lässt. Überzogen wird die gesamte Fläche von einer gerillten, transparenten Kunststoffschicht. Vereinzelte Lufteinschlüsse zwischen den Schichten bleiben als Spuren des Herstellungsprozesses sichtbar. Bereits in den 1960er Jahren begann Polke mit auffällig gemusterten Alltagsstoffen und ungewöhnlichen Materialien zu arbeiten. Oftmals stammten sie aus den Karnevalsläden des Rheinlandes.
Das Werk „Ohne Titel“ entstand als Teil von Polkes Werkserie der Linsenbilder, die er 2007 anlässlich der Verleihung des Rubens-Preises im Museum für Gegenwartskunst in Siegen präsentierte. Die vertikal gewellten Oberflächen aus Spezialkunststoff oder Harz, die der Künstler für diese Arbeiten verwendet, brechen das Licht je nach Betrachtungsstandpunkt unterschiedlich und erzeugen einen Effekt ähnlich wie bei Kipp- oder Lentikularbildern, wobei sich das Motiv je nach Blickwinkel und Bewegung der Bildfläche verändert.
- Ort & Datierung
- 2007
- Material & Technik
- Mischtechnik auf Stoff
- Abmessungen
- 180 × 150 cm
- Museum
- Sammlung Lambrecht-Schadeberg, Museum für Gegenwartskunst Siegen
- Inventarnummer
- X26.200