Die Bedeutung von Geschichte und kulturellem Erbe zeigen sich in Azra Akšamijas Geburtsstadt Sarajevo auf besondere Weise. Das Osmanische Reich, die Österreichisch-Ungarische Monarchie, der kommunistische Vielvölkerstaat Jugoslawien und schließlich der Bosnienkrieg haben ihre Spuren in der Stadt hinterlassen. Geschichte wurde hier immer wieder neu geschrieben, missliebiges kulturelles Erbe nicht selten unterdrückt.
Akšamija macht diesen Prozess der Geschichtsschreibung, wo Inhalte neu hinzukommen, sich überlagern, umformen und verschwinden, in ihrer Animation digitaler Teppiche beispielhaft sichtbar. „Osmanische“ Teppichmuster, erkennbar unter anderem durch das osmanische Kreuz, werden von Designs mit Bauwerken und Symbolen aus den folgenden historischen Epochen abgelöst. Das kulturelle Erbe formt sich hier durch die Überschneidungen und Gegensätze östlicher und westlicher Einflüsse.
Die Wahrnehmung des Islams im Westen spielt in vielen Projekten von Akšamija eine wichtige Rolle. Häufig werden muslimische Tradition und Geschichte dabei über die Verwendung von Mustern und Ornamenten einbezogen. Für die Künstlerin, die im Vorfeld des Bosnienkriegs nach Österreich emigrierte und heute in Graz und Boston (USA) lebt, ist kulturelle Identität nicht das Ergebnis starrer Traditionen, sondern ein fortlaufender Austauschprozess.
Weitere Medien
- Ort & Datierung
- 2017
- Material & Technik
- Animation, single-channel, 21 min
- Museum
- Courtesy die Künstlerin
- Inventarnummer
- X26.199