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#224

Sonne

Mosler, Mariella (1962-) | Künstler:in

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Haare sind mehr als Zierde. Sie können ein Zeichen von Kraft, Schönheit, Gesundheit, Rebellion, Individualität oder Zugehörigkeit sein. In der Erinnerungs- und Andenkenkultur spielt das Haar eine große Rolle, da es als Material nahezu unvergänglich ist. Früher dienten Schmuckobjekte, die kunstvoll aus dem Haar von Verstorbenen hergestellt wurden, dem Angedenken. Zugleich lässt die Tatsache, dass sich in diesem leblosen, aber widerspenstigen Material Leben und Tod verbinden, zurückschrecken.
Mariella Mosler (geb. 1962) nutzt für ihre Haarobjekte echtes Menschenhaar, wie es für die Perückenherstellung aus Asien importiert wird. Sie bearbeitet und färbt es und gestaltet daraus mithilfe traditioneller Häkel- und Klöppeltechniken kleinformatige Ornament-Motive. Mit dünnen Nadeln an der Wand befestigt scheinen sie zu schweben. Sie spielen auf Formen und Symbole an, die man aus unterschiedlichen Zusammenhängen kennt: Vegetationsformen aus der Natur, geometrische Formen aus der Mathematik oder frei erfundene Figurationen wie „Affenfaust“ oder „Staatszelle“. Mit ihrer Werkreihe untersucht Mosler das komplexe Beziehungsgeflecht von Naturwissenschaft, Kunst, Politik, Gesellschaft und Sprache: „Ich denke, dass die Struktur von Ornamenten über bestimmte Kulturtechniken wie Weben und Flechten in einem starken Zusammenhang mit Sprache steht, mit unterschiedlichen sprachlichen Strukturen, verschiedenen grammatikalischen oder zeitlichen Ordnungssystemen, die sich überlagern, miteinander verwoben sind und sich wechselnd hierarchisch zueinander verhalten können“, schreibt Mariella Mosler dazu.

Buchtipps zum Thema:
Franziska Setare Koohestani, „Hairy Queen. Warum Körperbehaarung politisch ist“
Laetitia Colombani, „Der Zopf“

Ort & Datierung
1997
Material & Technik
Haar
Abmessungen
9,5 cm
Museum
Courtesy die Künstlerin
Inventarnummer
X26.208
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