Frame of a mobile phone QR-Code

#226

Le Chef (qui a vendu l’Afrique aux colons)

Fosso, Samuel (1962-) | Künstler:in

01:44

Das Werk „Le Chef qui a vendu l’Afrique aux colons“ (dt. „Der Herrscher, der Afrika an die Kolonialisten verkaufte“) entstand 1997 im Rahmen einer Fotoserie, die Samuel Fosso für die Tati-Bekleidungsgeschäfte in Paris schuf.
In opulenter Szenerie tritt Fosso als fiktiver afrikanischer Herrscher auf, dessen Kopfbedeckung an den kongolesischen Diktator Mobutu Sese Seko erinnert. Mit Gold- und Muschelschmuck behangen und in Leopardenfell gehüllt blickt er den Betrachter:innen durch eine weiße Brille entgegen. In der rechten Hand hält er als mögliches Zeichen seiner Bestechlichkeit einen Strauß Sonnenblumen. Stuhl, Schuhe und Ledertasche entsprechen „westlicher“ Mode.
Die Kulisse ist mit sogenannten Dutch-Wax-Stoffen ausgeschmückt. Bunt und reich gemustert werden diese Stoffe häufig als typisch afrikanisch assoziiert. Tatsächlich wurde die Batiktechnik jedoch in Indonesien erfunden, durch niederländische und britische Kolonialisten im 19. Jahrhundert in Massenproduktion gefertigt und nach Westafrika exportiert.
Erst nach Überwindung der kolonialen Besetzung konnten diese Stoffe zu einem wichtigen Ausdruck (west-)afrikanischer Kultur und nationaler Identität werden. Die Geschichte der Migration von Technik und Mustern ist ihnen dennoch eingeschrieben.
Um einen Eindruck davon zu bekommen, was durch die belgische Kolonialherrschaft verloren ging, können historische Fotoaufnahmen der Könige des Königreichs der Kuba herangezogen werden. Bekannt war beispielsweise die hohe Handwerkskunst der Kuba, insbesondere Webarbeiten mit den Blättern der Raffiapalme.

Ort & Datierung
1997
Material & Technik
Farbabzug auf PE-Papier, Abzug 2003
Abmessungen
60,8 × 50,5 cm
Museum
Kunstpalast, Düsseldorf
Inventarnummer
X26.198
0:00
Offline