Rosemarie Trockel wurde in den 1980er Jahren mit ihren Strickbildern bekannt. Durch die Wahl des Materials knüpft Trockel bewusst an die traditionelle Rolle der Frau im heimischen Umfeld an. Sie strickt die Bilder jedoch nicht selbst, sondern lässt sie nach ihren Entwürfen von einer computergesteuerten Strickmaschine fertigen. Entgegen der Möglichkeit zur Massenproduktion, handelt es sich bei ihren Wollbildern immer um Einzelstücke. Oft werden politische Symbole, Marken und Zeichen als sich wiederholende Elemente miteingewebt. Damit wirft sie Fragen zur gesellschaftspolitischen Stellung von Kunst und der Rolle der Künstlerin auf.
Für ihre Arbeit „Ohne Titel“ von 1987 verwendet Trockel das Motiv einer Collage von El Lissitzky und Mikhail Plaksin, die sie 1928 im Pavillon der UdSSR auf der Presseausstellung in Köln präsentierten: Die Frauenfigur mit Hammer und Sichel stand für die Frau der sozialistischen Arbeiterklasse und galt als Leitfigur der russischen Emanzipationsbewegung. Auf ihren Körper waren Zitate wie „Jede Köchin muss lernen den Staat zu regieren“ von Lenin gedruckt.
Mit der Leerstelle im Titel unterstreicht Trockel einen Prozess des bewussten oder unbewussten Übersehenwerdens von Frauen aus den großen Erzählungen der Geschichte.
Weitere Medien
- Ort & Datierung
- 1987
- Material & Technik
- Siebdruck auf Stoff
- Abmessungen
- 190 × 279 cm
- Museum
- Museum Ludwig, Köln / Leihgabe
- Inventarnummer
- X26.212