Das großformatige Werk „Il Terrazzo“ von Philip Taaffe setzt sich aus zwanzig quadratischen Einzelelementen zusammen. Taaffe hat den Terrazzoboden eines Zimmers in seiner neapolitanischen Residenz, der Villa Peirce (auch Villa Rocca Matilde oder Villa Lauro) im Stadtteil Posillipo, in farbigen Papierbögen per Frottage abgenommen, also die Oberflächenstruktur auf das darübergelegte Papier durchgerieben. Diese Vorgehensweise verbindet die surrealistische Technik Max Ernsts mit archäologischer Dokumentation.
Die historisch bedeutsame Villa Peirce gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts einer sizilianischen Familie britischer Abstammung, der sie auch ihren Namen verdankt. Während der letzten Monate des Zweiten Weltkriegs diente die Villa der britischen Armee als Hauptquartier. Gerüchten zufolge hatte dort zuvor die Waffen-SS residiert und kurz vor dem Eintreffen der Alliierten seien dort dekadente Feste gefeiert worden.
Der von Taaffe dokumentierte Boden soll aus dem Schlafzimmer des damaligen britischen Premierministers Winston Churchill stammen. Der Künstler erzählt, dass die ersten Gemälde, die er bei einer Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum gesehen habe, von Churchill stammten, der selbst als Landschaftsmaler tätig war. Die Abfolge der Farbfelder (oben hell, unten dunkel) spielt dezent auf eine Landschaftsdarstellung an.
„Il Terrazzo“ zeigt eindrücklich den Kontrast zwischen der dekorativen Oberfläche und den darunterliegenden Bezügen zu seiner persönlichen und gesellschaftlichen Geschichte.
Weitere Medien
- Ort & Datierung
- 1988
- Material & Technik
- Mixed Media auf Papier, auf Leinwand
- Abmessungen
- 320 × 400 cm
- Museum
- Jablonka Collection
- Inventarnummer
- X26.192