Das Aquarell gehört zu einer Gruppe aus fünf Blättern, die im September 1920 in Weimar entstanden. Sie zeigen gespenstische Figuren, die einzeln oder als Gruppe ihr Unwesen in urbaner Kulisse treiben. Der „Laternengeist“ ist eine in leuchtend roter Aquarellfarbe festgehaltene weibliche Gestalt mit langen geschwungenen Gliedmaßen, die Hände und Füße krallenartig. Das Gesicht besteht aus zwei blau gefärbten Kreisen, die als Augen fungieren, und einem herabgezogenen Mund. Das Gesicht ist den Betrachtenden zugewandt, der Ausdruck wirkt aggressiv und bedrohlich. Die Figur trägt weder Haar noch Kleider. Links hinter ihr befindet ein leicht nach vorne geneigtes Hochhaus mit rotem Dach, rechts eine Laterne, die den Bildraum gelb erleuchtet.
Im Gegensatz zu Grossbergs Gemälden, die einen sachlichen, fast fotografischen Blick auf seine Umwelt zeigen, scheinen sich diese fünf Aquarelle eher der Welt des Phantastischen zuordnen zu lassen. Die eigentümlichen Figuren, die immer nackt und häufig weiblich sind, changieren zwischen Spuk und Komik. Als wären sie einem Traum oder dem Unterbewusstsein entstiegen, ziehen sie durch die Nacht. In ihrer unheimlichen Atmosphäre scheinen sie den ab 1925 gefertigten „Traumbildern“ nahe.
- Ort & Datierung
- 1920
- Material & Technik
- Aquarell und Tusche auf Papier
- Abmessungen
- 40 x 36 cm
- Museum
- Privatbesitz [Mathis Mootz]
- Inventarnummer
- X26.025