Dem Selbstbildnis von Grossberg tritt in diesem Raum eine kleine Auswahl von fotografischen Porträts von August Sander (1876–1964) entgegen. Sander, ein Zeitgenosse Grossbergs, gilt als bedeutender Wegbereiter einer neuen Fotografie, die unter dem Begriff „Neues Sehen“ bekannt geworden und als dokumentarisch-sachlich zu bezeichnen ist. Große Popularität erlangte Sander mit seinem um 1924 entworfenen Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“, in dem er Hunderte Porträts von Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen in verschiedenen Bildmappen zusammenbrachte und so ein bedeutendes Gesellschaftsporträt seiner Zeit schuf. Ziel dabei war es, typische Physiognomien und Körpersprachen unterschiedlicher Berufsstände, Geschlechter und Generationen sowie individuelle Erscheinungsweisen hervortreten zu lassen.
Der Konditor tritt uns – auch das ist charakteristisch für Sanders Werk – in seiner Berufskleidung an seinem Arbeitsplatz, einer Backstube, gegenüber. Mit strengem Blick, einer Rührschüssel in der Hand und stabilem Stand tritt er seinen Betrachter*innen unmittelbar gegenüber. Der dem Publikum zugewandte Blick, die frontale Ausrichtung seines Körpers sowie die Ausstellung seines Berufsstandes verbinden das fotografische Porträt mit Grossbergs malerischem Selbstbildnis.
- Ort & Datierung
- 1928/1978
- Material & Technik
- S/W-Fotografie, Abzug mattglänzend, Reprint auf Agfa-Papier
- Abmessungen
- 30,3 x 23,8 cm (Blatt)
- Museum
- Von der Heydt Museum
- Inventarnummer
- F 0317