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#205

Industriebauern

Scholz, Georg (1890-1945) | Maler:in

01:31

Der Alltag nach dem Ersten Weltkrieg war geprägt von Armut und Hunger. Weite Bevölkerungsschichten lebten am Existenzminimum, es gab viele Kriegsversehrte. In dieser Situation sahen es die Künstler*innen als ihre Pflicht, soziale und politische Widersprüche aufzuzeigen.  

Der Anlass zu Scholz’ satirisch-aggressivem Werk „Industriebauern“ geht auf ein persönliches Nachkriegserlebnis des Malers zurück. Als er von Hunger getrieben versuchte, für sich und seine Familie auf dem Land Lebensmittel zu beschaffen, wurde er von einem Bauern grob abgewiesen: Er solle sich doch sein Essen auf dem Komposthaufen holen. Der 30-jährige Scholz schlug mit seinen Mitteln zurück: In dieser Karikatur prangert er Geldgier, Dummheit und Heuchelei an und hält damit die Hässlichkeit des Menschen fest.

Dargestellt ist eine Bauernfamilie, Vater, Mutter, Sohn: Im Kopf des Familienvaters kleben Geldscheine, die verdeutlichen, dass der Vater nichts als Gewinnmaximierung im Kopf hat. Sein Leben ist Materialismus und Habgier, und die Bibel in seiner Hand demonstriert zwar Frömmigkeit, kann aber nur geheuchelt sein. Mit bitterer Schärfe greift Scholz den Egoismus und die Geldgier jener an, die bessergestellt waren, jene Kreise, die indirekt den Krieg mitgetragen hatten und davon profitierten. Die eingeklebten Geldscheine, Zeitungsausschnitte und Fotos stellen dabei den unmittelbaren Bezug zur Wirklichkeit her.

Ort & Datierung
1920
Material & Technik
Sperrholz
Abmessungen
98 x 70 cm
Museum
Von der Heydt Museum
Inventarnummer
G 1336
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