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#204

An die Schönheit

Dix, Otto (1891-1969) | Maler:in

01:51

Otto Dix stellt sein Selbstporträt als Kniebild ins Zentrum einer abendlichen Tanzszene. Den Raum hinter ihm bevölkern ringsum Puppen und Menschen: Tanzende, Schlagzeuger, Kellner und eine Dekorationsbüste. Kaltes Schlaglicht hebt das Gesicht des Dreißigjährigen aus dem Halbdunkel hervor. Wie ein Signal markiert das spitze Dreieck seines weißen Hemdes präzise den Bildmittelpunkt und betont seine zentrale Rolle. Den Betrachtenden aus den Augenwinkeln fixierend, gibt Dix sich ernst und nüchtern. Der Telefonhörer in seiner Linken unterstreicht seine Abgrenzung vom Tanzvergnügen wie auch von der traditionellen Künstlerrolle. Die moderne Verbindung nach außen kennzeichnet ihn als Berichterstatter, als „Wirklichkeitsmenschen“, wie er sich später selbst bezeichnen wird.

Zunächst Mitbegründer der „Dresdner Sezession Gruppe 1919“, kam Dix 1920 mit der Dada-Bewegung in Kontakt und siedelte 1922, im Jahr dieses Selbstportraits, nach Düsseldorf über, wo er sich der Avantgarde-Gruppe „Das Junge Rheinland“ anschloss. 1927 kehrte er als Akademieprofessor nach Dresden zurück. Figurenbilder dieser bürgerlichen Lebensphase belegen eine Tendenz zum altmeisterlichen, manieristischen Realismus. Seine Porträts waren bei Sammler*innen und Museen hochgeschätzt. 1933 gehörte er zu den ersten, die das NS-Regime ihrer Ämter enthob. Er überstand die Verbotszeit, ländlich zurückgezogen, in der inneren Emigration.

„An die Schönheit“ ist auch der Titel eines Gedichts des elsässischen Lyrikers Ernst Stadler, der durch seine Gedichtsammlung „Der Aufbruch“ zu einer Leitfigur des Expressionismus geworden war.

Ort & Datierung
1922
Material & Technik
Leinwand (doubliert)
Abmessungen
139,5 x 120,5 cm
Museum
Von der Heydt Museum
Inventarnummer
G 1340
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