Von einem Standpunkt an der gegenüberliegenden Seite des Hafenbeckens nahm Franz Radziwill die Werft von Wilhelmshaven in den Blick. Hinter einer Ansammlung achtlos gruppierter Häuser und Speichergebäude ragen vier schwarze Kräne auf, die monumental und schwer auf dem Industriegelände lasten. Mit höchster Präzision hat er ihre netzartige Eisenkonstruktion wiedergegeben. Nur ganz vereinzelt bevölkern Menschen die unwirkliche Szenerie. Der strahlend blaue Himmel und das sonnenbeschienene Ufer stehen in grobem Kontrast zu den schäbigen Häusern und dem Zerrbild auf der bedrohlich dunklen Wasseroberfläche. Radziwill verweigerte dabei jede strukturierte Analyse der Technik und Architektur; sein Blick richtete sich mit demonstrativer Gleichgültigkeit nur auf die äußere Erscheinung.
Bemerkenswert in Radziwills Bildern ist immer wieder die detailorientierte Hingabe, mit der er die Bildgegenstände in einer altmeisterlichen Technik erfasste und dadurch in hohem Maße versachlichte. Die Ansicht von Wilhelmshaven ist damit eines der frühen Beispiele für den sogenannten „Magischen Realismus“ in der Malerei der Neuen Sachlichkeit.
- Ort & Datierung
- 1928
- Material & Technik
- Leinwand auf Sperrholz
- Abmessungen
- 95 x 115 cm
- Museum
- Von der Heydt Museum
- Inventarnummer
- G 1283