Nur ein einziges Mal porträtiert Carl Grossberg sich auf einem Gemälde selbst: 1928 – zu einem Zeitpunkt, als seine Karriere einen Höhepunkt erreicht. Das Bild ist Programm. Es zeigt Grossberg als Maler von Industrie und Technik. Und der feine Pinsel in seiner rechten Hand macht deutlich, dass es ihm um höchste Präzision geht. Kompositorisch spielt das Gemälde auf eines der berühmtesten Selbstbildnisse der Kunstgeschichte an: auf Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ (1500).
Grossbergs „Selbstbildnis“ lässt sich in eine Reihe stellen mit dem groß angelegten Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“, das den Fotografen August Sander seit den 1920er Jahren beschäftigte, mit dem Ziel, ein Gesamtbild der deutschen Gesellschaft zu zeichnen. Erstmals in Ausschnitten präsentiert wurde das Werk 1927. Am Ende umfasste es hunderte Fotografien. Jede einzelne charakterisiert einen bestimmten Menschen in seiner beruflichen und gesellschaftlichen Rolle, die der Fotograf sachlich nüchtern wiedergab. Sander und Grossberg kannten einander und standen in künstlerischem Austausch.