In seiner Zeit in Dresden, in der Max Pechstein an der Kunstakademie studierte und auch Kontakt zur Künstlergruppe „Brücke“ fand, war er im dortigen Völkerkundemuseum bereits mit den geschnitzten Objekten der indigenen Gruppen der Palau-Inseln in der Südsee in Berührung gekommen. Aus der damaligen Perspektive faszinierten ihn die vermeintliche Naturverbundenheit und Ursprünglichkeit des Lebens der Menschen in Südostasien, die seiner Ansicht nach – ganz dem kolonialen Zeitgeist entsprechend – auch in der (kunst-)handwerklichen Produktion sichtbar wurden. Pechstein reiste im Jahr 1914 selbst zu den Palau-Inseln; auf der Suche nach einer vermeintlich direkten und in Westeuropa längst verloren gegangenen einfachen Wirklichkeit. Sein Aufenthalt wurde jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs abrupt beendet. Er kehrte unter abenteuerlichen Umständen nach Berlin zurück und die künstlerische Verarbeitung seiner Reise erfolgte erst mit einiger zeitlicher Verzögerung.
1919 schuf er eine große Serie von insgesamt 50 Blättern, den sogenannten Reisebildern, in denen er seine Aufenthalte in Monte Rosso al Mare in Italien und in der Südsee verarbeitete. Das Mappenwerk wurde in einer Edition von 810 nummerierten Exemplaren über den Berliner Verlag Paul Cassirer vertrieben.
Die Lithografie zeigt im Vordergrund eine an einem Baum sitzende Person, die wie ein Beobachter der auf dem Feld spielenden Szenerie wirkt. Auf dem Feld arbeiten drei Frauen, die vorübergebeugt Pflanzen setzen. Im Hintergrund zeigt sich der Blick auf das Meer und den palmenbewachsenen Küstenstreifen. Als Grundlage für seine Reisebilder dienten Max Pechstein Tagebucheinträge und kleine Zeichnungen, die er vor Ort anfertigen konnte. Sie zeigen Alltagsszenen und zeichnen sich durch ornamental-dekorative Kompositionen aus, die eine Idealisierung der Lebenswirklichkeit vor Ort bedeuten. Das Von der Heydt-Museum besitzt drei weitere Lithografien mit Südsee-Motiven des Künstlers. Aufgrund der Lichtempfindlichkeit des Materials können diese aber nur selten und für kurze Zeit ausgestellt werden. Die Druckgrafiken werden den konservatorischen Bedürfnissen entsprechend im Laufe der Ausstellung ausgetauscht.
- Ort & Datierung
- 1919
- Material & Technik
- Lithografie, Feder auf Stein
- Abmessungen
- 29 x 36,5 cm (Blatt); 20,5 x 19,5 cm (Motiv)
- Museum
- Von der Heydt Museum
- Inventarnummer
- KK 1947/14