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#256

Crop Finsterwolde

Oppenheim, Dennis (1938-2011) | Künstler:in

Dennis Oppenheim studiert Anfang der 1960er Jahre in Kalifornien. Seine Karriere beginnt er als Land Art oder Earth Art Künstler mit großangelegten Projekten wie „Directed Seeding“ und „Cancelled Crop“, die fotografisch festgehalten werden. Einerseits setzt er sich in diesem Projekt kritisch mit der Dominanz des Abstrakten Expressionismus auseinander, indem er eine abstrakte Zeichnung in ein Riesenformat, nämlich ein Getreidefeld, überträgt. Andererseits interessiert sich Oppenheim für natürliche und physikalische Prozesse sowie für das Phänomen der Zeit als Motor von Veränderung. Da Oppenheim ein Künstler und kein Landwirt ist, ist der Traktor für ihn ein künstlerisches Werkzeug wie Stift, Pinsel oder Meißel und das Korn hat die Funktion eines Pigments. In diesem Fall entzieht er das Korn einer weiteren Verwendung, so als würde er Pigmente davon abhalten, in Malerei umgeformt zu werden.

1969 arbeitet Oppenheim in den Niederlanden auf einem Feld in Finsterwolde. Der Katalogeintrag zur Präsentation des Projekts 1969 in der Kunsthalle Düsseldorf (Prospect’69) lautet:

„Der erste Teil dieses Projektes ‚Direct Seeding‘ wurde im Stedelijk Museum, Amsterdam, und in der Galerie Yvonne Lambert, Paris, gezeigt. Der zweite Teil des Projektes ‚Cancelled Crop‘ wird im PROSPECT’69 in der Kunsthalle Düsseldorf ausgestellt.

Auf einem rechteckigen Feld wird ein X-Muster als Erntelayout angelegt. Das Feld wird auch nach diesem Muster abgeerntet. Das Medium (Getreide) wird in seinem Rohzustand auf Wagen verladen und in die Kunsthalle Düsseldorf gebracht. Die Kunsthalle/Lagerhaus übernimmt so die Rolle des Getreidesilos.

Eine Waage zum Wiegen des Getreides wird aufgestellt. Das Getreide wird in durchsichtigen Plastikbeuteln zu je 1 Pfund, 5 Pfund und 25 Pfund abgepackt und verkauft. Jeder Beutel wird beschriftet und signiert. Der Käufer erhält zusammen mit dem Getreide eine Fotografie des Getreidefeldes.

‚Indem man die Weiterverarbeitung des Getreides verhindert (z.B. zu Nahrungsmittel) erreicht man eine Wirkung vergleichbar mit der von Farbpigmenten (für Ölfarbe), das nicht als Mittel der Illusion (auf Leinwand) eingesetzt wird. Ich beschäftige mich in erster Linie mit Rohstoffen. Massen. Unbearbeitete Materialien. Die unabänderliche Bestimmung meiner Materialien ist es, das zu bleiben, was sie sind. Es wird ihnen keine Ästhetik durch Verfeinerung aufgezwungen. Ich war immer der Meinung, dass das Rohmaterial in der Farbenherstellung interessanter ist, bevor es auf die Leinwand gelangt.‘“

Material & Technik
Foto auf Sperrholz und Plastiktüte mit 2,5 kg Getreide
Museum
Kunst- und Museumsverein
Datierung
1969
Inventarnummer
KMV 2020/47
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