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#258

Holland Park Zebra Crossing Study

Boyle, Mark (1934-2005) | Maler:in

Auf die Tafel ist ein Ausschnitt der realen Oberfläche einer Londoner Straße übertragen worden, der mit einem besonderen technischen Verfahren an Ort und Stelle abgenommen wurde. Das Objekt gehört zu einer Serie von 100 Studien gleicher Art und Größe. Mark Boyle hat die betreffenden Punkte bestimmt, indem er auf den Plan eines Stadtteils von London mit verbundenen Augen 100 kleine Pfeile warf.

Die einzelnen Ausschnitte sind also durch den Zufall bestimmt, der Gesamtzusammenhang ist jedoch in der Vorstellung nachvollziehbar. Auf ähnliche Art arbeitet Boyle an einer Serie von 1000 Erdproben aus der ganzen Welt (Journey to the surface of the earth). Zu seinem Konzept, eine Vielzahl von Realitätsausschnitten gleichsam einzufrieren, sagt er: „Wenn man untersucht, wie es zugeht an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit, wird man vielleicht eher fähig sein zu erfahren, wie es im Ganzen zugeht zu jeder Zeit.“

Mit seinen Straßen-Abgüssen betreibt Boyle einen extremen künstlerischen Realismus. Während viele Künstler:innen seiner Zeit Wirklichkeitsausschnitte durch Fotoreihen, Skizzen und Pläne dokumentieren und gleichzeitig fixieren, legt Boyle Wert darauf, auch den materiellen Bestand festzuhalten.

Der aus Glasgow stammende Künstler ist Autodidakt. Nach einem abgebrochenen Jurastudium schreibt er zunächst Gedichte, welchen Zufallsstrukturen zu Grunde liegen. Zudem organisiert er zusammen mit seiner späteren Frau Joan Hills absurde „Events“, Licht- und Projektionsenvironments und Happenings. Sie haben in den 1960er Jahren enge Kontakte zur Londoner Underground-Kultur und zu experimenteller Rockmusik. Angeregt durch Joan Hills beginnt Boyle bereits 1958 zu Malen und Assemblagen aus Malutensilien, Trödel- und Abfallobjekten herzustellen. Die London-Serie, bei der er und Joan Hills eng zusammenarbeiten, beginnt 1967.

Material & Technik
Materialbild
Museum
Von der Heydt Museum
Datierung
1969
Inventarnummer
G 1287
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