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Porträtfoto in der sog. "Maobibel" wie es Warhol als Vorlage diente

In den 1950er Jahren ist Andy Warhol einer der erfolgreichsten Werbegrafiker in New York. Mit den ersten Serienbildern von Campell's Suppendosen wird er zum wichtigsten Vertreter der amerikanischen Pop Art. Die banalen Dinge der Alltagswelt sind Grundlage der künstlerischen Ideen, die Warhol in seiner Factory, seinem Atelier, zu Bildserien im Fotosiebdruck entwickelt. „Die Pop-Künstler machten Bilder, die jeder… im Bruchteil einer Sekunde wiederkennen konnte – Comics, Picknicktasche, Männerhosen, Berühmtheiten, Duschvorhänge, Kühlschränke, Colaflaschen – die ganzen tollen Sachen, die von den Abstrakten Expressionisten so geflissentlich übersehen wurden" (Warhol 1980).

Warhols Porträts sind flach und laut wie das Glamour-Leben in der modernen Konsumgesellschaft. Die knalligen Farben konkurrieren mit den Verführungstechniken der Reklame. Durch das Prinzip der Motiv-Wiederholung, im Siebdruck schnell zu bewerkstelligen, treibt Warhol die Entwertung von Personen und Ereignissen auf die Spitze. Hier ist es das Porträt von Mao Tsetung, das nicht nur in China allgegenwärtig ist. Die Mao-Bibel kursiert auch in der Studentenbewegung der 1968er Jahre. Als Richard Nixon 1972 nach China reist, rückt die Persönlichkeit Mao Tsetungs ins Blickfeld der amerikanischen Öffentlichkeit. Durch Warhols karikatureske Pointierung der Darstellung wird die Botschaft verzerrt und bekommt als solche eine außerordentliche Vehemenz. 

Dem Porträtbild des kommunistischen Führers, einverleibt in die unverblümt dem Kapitalismus zugewandte Kunst von Andy Warhol, wird jede revolutionäre Kraft entzogen. Mit Lippenstift und Lidschatten bearbeitet, attraktiv und komisch zugleich, erscheint er wie eine Ikone der Konsumwelt. Warhol macht Mao „famous“.

Die Serie, bereits 1975 angekauft, ist nun in unserem Museum erstmalig ausgestellt.

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